Lesetipps


Die Redaktion des Literaturkurier empfiehlt jede Woche besonders lesenswerte Titel. Die Empfehlungen dieser Woche:


Zana Fraillon
Wenn nachts der Ozean erzählt
ISBN: 9783570164761
Erschienen: 2018
cbt
285 Seiten - 16,99 Euro

Jugendbuch (ab 12)

Subhis Familie musste aus ihrem Heimatland fliehen und lebt nun in einem (australischen) Camp; der inzwischen Neunjährige war das erste Kind, das hier hinter Stacheldraht geboren wurde. Er kennt nichts anderes als die Wüste, den Zaun, das Elend und den Mangel im Lager. Nachts träumt Subhi vom Nachtmeer, über das ihn Geschichten erreichen. Erst als die junge Jimmie von außen ins Lager „einbricht“, ändert sich das. Auch der Familie von Jimmie geht es nicht gut, doch auf ganze andere Art und Weise, und so verbindet die beiden langsam eine echte Freundschaft und sich treffen sich immer wieder. Ein gewalttätiger Aufstand im Camp bringt dann alles in Gefahr. - Ein ungemein eindrücklicher, trotz aller Realität zum Teil sehr poetischer Roman über Freundschaft, eine Fluchtgeschichte und Kinderschicksale. Gerade in unseren Zeiten brauchen wir solche Bücher. (Aus dem Englischen von Claudia Max)
(vorgestellt am 21.06.2018)


Daryl Gregory
Die erstaunliche Familie Telemachus
ISBN: 9783847906384
Erschienen: 2018
Eichborn
544 Seiten - 24,00 Euro

Roman

Sind die Mitglieder der Familie Telemachus eigentlich Superhelden? Zwar kann die Mutter jede Lüge erkennen, aber dadurch scheitert auch jede Beziehung zu einem Mann. Zwar kann Buddy durch die Zeit reisen, aber dadurch hat er ständig Angst vor dem Weltuntergang. Zwar kann der junge Matty seinen Geist aus seinem Körper lösen und umher fliegen, aber das funktioniert eigentlich nur, wenn er sich dabei selbstbefriedigt. Und Onkel Frankie kann mit Gedankenkraft Löffel verbiegen, aber wie verdient man damit seinen Unterhalt? Deshalb soll auch Matty mit seiner Fähigkeit die Kombination zu einem Safe herausbekommen. Doch Mafia und Polizei sind auf der Hut ... Ein warmherzig-komischer (Action-, Familien-, Liebes-)Roman über eine außergewöhnliche Familie, die mit den ganz gewöhnlichen Alltagsproblemen fertig werden muss. Eine originelle, witzige und überraschende Geschichte. (Aus dem Englischen von Tobias Schnettler)
(vorgestellt am 21.06.2018)


Maile Meloy
Bewahren Sie Ruhe
ISBN: 9783036957760
Erschienen: 2018
Kein & Aber
432 Seiten - 23,00 Euro

Roman

Liv und Nora haben für ihre Familien eine zweiwöchige Kreuzfahrt gebucht: entlang der mexikanischen und mittelamerikanischen Küste mit kurzem Aufenthalt im Panamakanal, dann zurück nach Los Angeles. An Bord freunden sie sich mit einem argentinischen Ehepaar mit ebenfalls zwei halbwüchsigen Kindern an. Während eines Landausflugs – die Männer fahren zum Golfen, die Frauen mit den Kindern an einen Badestrand – gehen alle sechs Kinder verloren. Die Erwachsenen wenden sich an die Behörden um Hilfe („Bewahren Sie Ruhe!“), die Kinder versuchen auf abenteuerliche Weise Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen. Dabei werden in beiden Gruppen Rivalitäten und seelische Spannungen deutlich. Am Ende ist nichts mehr so, wie es am Anfang war. Trotzdem ist der Roman leicht zu lesen und spannend vor allem dadurch, dass immer, wenn sich eine Lösung abzuzeichnen beginnt, diese sich als Falle herausstellt oder neue Komplikationen hervorruft. (Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin Kramer und Jenny Merling)
(vorgestellt am 21.06.2018)


George Saunders
Lincoln im Bardo
ISBN: 9783630875521
Erschienen: 2018
Luchterhand
448 Seiten - 25,00 Euro

Roman

1862, während des amerikanischen Bürgerkriegs, stirbt Willie, der Sohn des US-Präsidenten Abraham Lincoln. Lincoln senior begibt sich am Abend auf den Friedhof, um noch einmal seinen Sohn im Arm halten zu können – und es beginnt eine Nacht im „Bardo“, wie im Buddhismus ein Schwebezustand zwischen Tod und Leben genannt wird. Der Vater trauert um seinen Sohn und zugleich erhebt sich ein Chor aus den unterschiedlichsten Stimmen um ihn herum. Gespenster sprechen, Kriegszeugen, die an der Schwelle des Todes stehen, ergreifen das Wort, dazu Unfallopfer, Sklavenhalter, Verbrecher. Fiktive wie historische Texte stehen nebeneinander und ergeben ein schaurig-komisches Porträt einer Zeit und einer Gesellschaft. George Saunders wurde von der Kritik für seinen anspruchsvollen Roman hoch gelobt – und mit dem prestigeträchtigen Man Booker Preis ausgezeichnet. (Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert)
(vorgestellt am 21.06.2018)


Georg Schmidt
Die Reiter der Apokalypse. Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs
ISBN: 9783406718366
Erschienen: 2018
C.H. Beck
810 Seiten - 32,00 Euro

Sachbuch

Nach den beiden Weltkriegen ist es wohl der Dreißigjährige Krieg, mit dem die Menschen hierzulande am meisten verbinden. Wie es zu dieser Mythenbildung kam und was dahinter steckt, gehört zu den Dingen, die der Historiker Georg Schmidt in seiner Studie untersucht. Warum sich dieser Krieg von Böhmen aus über ganz Mitteleuropa ausdehnte, wie die einfache Bevölkerung reagierte und litt, was das Klima, neue Medien und der (Aber)Glaube mit den Kämpfen zu tun hatten, all das erklärt Schmidt mit außergewöhnlicher Sachkenntnis. Er ordnet den manchmal verwirrenden Ablauf des Krieges vor dem politischen und religiösen Hintergrund der Zeit und liefert eine Menge Quellen, die die damals herrschende Atmosphäre anschaulich machen. Schmidts Darstellung der Kämpfe zwischen Ständen, ausländischen Mächten und „privaten“ Kriegsunternehmern liefert viele neue Erkenntnisse – und gewichtet den Dreißigjährigen Krieg für die deutsche Geschichte neu.
(vorgestellt am 21.06.2018)


Suzanne Selfors
Flummi & Oskar. Wer ist hier der Boss?
ISBN: 9783833905414
Erschienen: 2018
Baumhaus
191 Seiten - 10,00 Euro

Kinderbuch (ab 8)

Der erste Band einer ungewöhnlichen und ungewöhnlich witzigen Patchwork-Geschichte: Oskar ist überzeugt, dass er als dunkler Lord bald die Weltherrschaft übernehmen wird. Allerdings ist Oskar ein Meerschweinchen, das zudem nach seinem Umzug nicht nur einen aufdringlichen Hund namens Flummi als Begleiter hat, sondern von dem Mädchen Jasmin auch ständig in rosa Klamotten und ein Plastikspielzeughaus gesetzt wird. Weil Flummi sich in den Kopf gesetzt hat, Oskar zu beschützen, schmiedet das Meerschweinchen einen irren Fluchtplan. - Die menschliche Patchwork-Familie kommt hier kaum zu Wort, es sind Flummi und Oskar, die abwechselnd aus ihrer Perspektive erzählen. Haustiere können offenbar wirklich lustig sein ... (Aus dem Englischen von Leena Flegler)
(vorgestellt am 21.06.2018)

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